Vergangenheit unseres Fachbereiches

FSR, LÖLA, WOW u.v.m
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Kuhkaff
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Vergangenheit unseres Fachbereiches

Beitrag von Kuhkaff » 17. Aug 2009, 15:37

Hey ihr!
Das das DITSL aus der ehemaligen und ersten Deutschen Kollonialschule entstanden ist, ist wahrscheinlich den Meisten bekannt...vielleicht sind einigen von euch auch schon die Gedenktafeln aufgefallen, die im Innenhof bei der Mense stehen auf denen "unseren Kamaraden" aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg gedacht wird (eine Gedenkveranstaltung findet übrigens jedes Jahr statt. Organisiert vom Hochschulverband Witzenhausen deren Logo das Gleiche ist, welches die Kolonialschule schon benutzt hat). Eine kritische Auseinandersetzung wurde bis heute weder vom DITSL noch vom Fachbereich durchgeführt. Ich finde das unter aller sau! Das in Witzenhausen mal eine Synagoge stand (dort wo heute das Krankenhaus ist) welches mit hoher Wahrscheinlichkeit von Studenten der Kolonialschule abgefackelt wurde ist nichts, was "unter den Tisch" gekehrt werden sollte. Es kan nicht sein das auch heute immer noch über die "100 Jährige Tradition" dieses Standortes mit so einem Stolz geredet werden kann!
Was ist eure Meinung dazu?
Im Anhang ist ein guter Artickel aus der Frankfurter Rundschau von 2004 zu diesem Thema!
..das mit dem Link hat nicht geklapt..also der text so. ihr könnt ihn ja kopieren und in open office vergrößern...

---------------------------------Artikel aus der Frankfurter Rundschau von 2004----------------------------------



Ausbildungsziel Herrenmensch

 
Der agrarwissenschaftliche Fachbereich der Universität Kassel hat seine Wurzeln in der "Deutschen Kolonialschule" / Kritische Aufarbeitung fehlt
 
Die Schatten der kolonialen Vergangenheit Deutschlands reichen bis nach Nordhessen. In Witzenhausen bei Kassel lernten Siedler und Pflanzer, wie sie sich als Herrenmenschen in Übersee behaupten sollten. Unter anderem Namen existiert die ehemalige "Deutsche Kolonialschule" noch heute. Und trotz fraglos neuer Inhalte wird nach wie vor die Kontinuität betont.

Witzenhausen · 20. Mai · Es war geradezu symbolisch. Bis vor einigen Jahren
blätterte immer wieder die Farbe ab über dem Eingangsportal zum Deutschen
Institut für tropische und subtropische Landwirtschaft (DITSL) in Witzenhausen.
Was dann unter der dünnen Tünche zum Vorschein kam, erinnerte hartnäckig
an die Vergangenheit des agrarwissenschaftlichen Außenpostens der
Universität Kassel - an eine Geschichte, von deren Schattenseiten in der
nordhessischen Kleinstadt kaum jemand etwas wissen möchte. Die nicht
vergehen will und die bis heute ihrer kritischen Aufarbeitung harrt.

Ausbildung zu Kolonialbeamten

Erst als das Torhaus in den neunziger Jahren grundrenoviert wurde,
verschwand der so schwer zu bändigende Schriftzug endgültig unter einer
dicken Farbschicht: "Deutsche Kolonialschule". Diesen Namen hatte das
privatwirtschaftlich organisierte DITSL, das 1971 in die neu gegründete
Kasseler Gesamthochschule integriert wurde, noch vor fast 50 Jahren getragen.
Die deutsche Kolonialgeschichte, die eigentlich mit dem Ersten Weltkrieg
geendet hatte, dauerte in Witzenhausen bis 1956.
Begonnen hatte sie hier in der nordhessischen Provinz kurz vor der Wende
zum 20. Jahrhundert: Ein Jahr nach ihrer Gründung am 23. Mai 1898 nahm
die Deutsche Kolonialschule GmbH in den Mauern des ehemaligen
Wilhelmitenklosters am Ufer der Werra den Lehrbetrieb auf. Die ersten zwölf
Schüler begannen ihre Ausbildung, die sie auf ihre Zukunft als
Kolonialbeamte und Tropenpflanzer in Übersee vorbereiten sollte. Auf die,
wie Schulleiter Ernst Albert Fabarius (1859-1927) es einige Jahre später
ausdrücken sollte, "schwere, aber schöne Lebensaufgabe, Vorkämpfer des
Deutschtums, Neusassen auf eigener Scholle mit breitem Ellenbogenraum,
Kulturpioniere zu sein draußen, soweit irgend noch Platz an der Sonne für
deutschen Einfluss, deutsche Arbeit, deutsches Land und deutsche Sitte." Die
nationalistische wie rassistische Stoßrichtung der von privaten Kaufleuten,
Fabrikanten und Plantagenbesitzern getragenen Lehranstalt - der einzigen
ihrer Art in Deutschland - war eindeutig. Mit seiner Formulierung vom "Platz
an der Sonne" spielte Fabarius auf die berüchtigte Rede des späteren
Reichskanzlers Bernhard von Bülow an, der am 6. Dezember 1897 im Reichstag
den neuen aggressiven Weltmachtanspruch des Deutschen Reichs unterstrichen
hatte.
Was mit dem programmatischen Schlagwort vom "Kulturpionier" gemeint war,
illustriert der noch heute am Schulgebäude zu lesende Wahlspruch: "Mit Gott
für Deutschlands Ehr / Daheim und überm Meer." Ein Motto, das Fabarius
selbst mit dem viel zitierten Diktum des nationalistischen Schriftstellers
Emanuel Geibel übersetzte: "Und es soll am deutschen Wesen / Einmal noch
die Welt genesen!" In der vom Schulleiter herausgegebenen Zeitschrift der
Anstalt - Titel: "Der deutsche Kulturpionier" - finden sich neben Berichten
aus dem Lehrbetrieb auch Stellungnahmen gegen die "Rassenvermischung in
den Kolonien" oder zum richtigen Umgang mit "dem Neger": "Behandelt man ihn
mit Güte, gibt ihm hin und wieder etwas Tabak, einige Streichhölzer etc. und
überbürdet ihn nicht mit Arbeit, so ist er ein treues und gutmütiges
Geschöpf." Und auch vor konkreten Eroberungsforderungen schreckte
Fabarius nicht zurück. In einer im Ersten Weltkrieg verfassten Denkschrift
beanspruchte er zahlreiche Länder Afrikas und Indochinas ebenso wie Teile
Belgiens, Frankreichs und Russlands für das Deutsche Reich.
Eckhard Baum, seit 1957 Geschäftsführer des Kolonialschul-Erben DITSL,
hält diese Vergangenheit seines Instituts für bewältigt: "Wir identifizieren uns
damit nicht", sagt er. Zwar sieht er in der Schule eine Einrichtung, die
"die Wirren der Geschichte" überstanden hat, doch inhaltlich gebe es keine
Parallelen mehr. "Der Bezug zu den Tropen ist der einzige Bezug, der früher
schon bestand." Laut Satzung fördert das DITSL, zu dessen Gesellschaftern
unter anderem Bund und Land gehören, "Forschung und Lehre sowie die Aus-
und Fortbildung von Fach- und Führungskräften für die Landwirtschaft und die
ländliche Entwicklung in der Dritten Welt".
Dennoch werden Kontinuität und Tradition eigentümlich stark betont. 1998
feierten DITSL und Universität Kassel bedenkenlos das hundertjährige
Jubiläum der "internationalen Agrarausbildung" in Witzenhausen. Eine
kritische Auseinandersetzung mit der Kolonialgeschichte war im Festprogramm
nicht vorgesehen. Die vom DITSL herausgegebene Fachzeitschrift gilt trotz
mehrfacher Namensänderungen nach wie vor als Fortsetzung des "Deutschen
Kulturpioniers": Sie erscheint offiziell im 105. Jahrgang. Und die
Absolventenvereinigung "Verband der Tropenlandwirte Witzenhausen" (VTW)
führt nicht nur das Wappen der Kolonialschule als Verbandszeichen, sondern
die Mitglieder pflegen sogar ihr alljährliches Totengedenken vor der Büste
von Fabarius abzuhalten, die bis heute unkommentiert im Innenhof der
ehemaligen Klosteranlage steht.

Brisante Lücken in der Chronik

Warum der Kolonialschulleiter dem Verband noch immer derart wichtig ist,
darauf gibt es keine Antwort: "Der VTW-Vorstand hat beschlossen, sich dazu
nicht zu äußern", heißt es lapidar. DITSL-Geschäftsführer Baum dagegen
möchte es als Beleg für einen ehrlichen Umgang mit der Vergangenheit
verstanden wissen, dass das Fabarius-Denkmal nie beseitigt oder mit einer
erklärenden Tafel versehen wurde: "Wir wollen die Geschichte nicht unter
den Teppich kehren", sagt er.
Aber, so ließe sich ergänzen, vielleicht ein bisschen beschönigen: Zum
Hundert-Jahre-Jubiläum legte der Geschäftsführer jedenfalls eine Chronik vor,
in der an vielen brisanten Stellen Lücken klaffen. Die völkischen Tiraden
vom " Irredenta-Gedanken des unerlösten, noch zu erlösenden Deutschtums",
mit denen Fabarius nach dem Ersten Weltkrieg das Weiterbestehen der
Kolonialschule rechtfertigte ? Fehlanzeige. Die Rolle, die seine Studenten
beim Aufstieg des Nationalsozialismus, bei Bücherverbrennung und
Reichspogromnacht in Witzenhausen spielten? Wird relativiert. Der Aufstieg
des Kolonialschülers Richard Walther Darré zum "Reichsbauernführer" der
Nazis? Kommt zwar vor - jedoch ohne die pikante Note, dass noch 1953 im
"Deutschen Kulturpionier" eine Lobeshymne auf den verstorbenen Blut-und-
Boden-Verfechter erschien. Acht Jahre nach dem Krieg.
Vor allem aber fehlt jeglicher Hinweis auf die blutige Realität der
deutschen Kolonialgeschichte. Weder die Unterdrückung und Ausbeutung der
Bevölkerung in den Kolonien werden erwähnt, noch der Völkermord an 75 000
Herero und Nama im damaligen Deutsch-Südwestafrika (Namibia). Obwohl sich
der Beginn des Krieges gegen die Herero im Januar zum hundertsten Mal jährte,
sind in Witzenhausen keine Gedenkveranstaltungen geplant. Er habe
"keinerlei Verbindung" zur Kolonialschule gefunden, rechtfertigt sich Baum.
Dabei hätte er gar nicht lange suchen müssen: Nirgendwo außerhalb des
Deutschen Reichs lebten vor dem Ersten Weltkrieg so viele Kolonialschul-
Absolventen wie in Namibia, etliche waren dort Soldaten der deutschen
"Schutztruppen"". Und im "Kulturpionier" berichtete einer von ihnen auch
ganz freimütig über seine "Jagd auf Hottentotten", wie die Nama abwertend
genannt wurden: "Es ist zu unglaublich schwer, diesen flüchtigen Gegner zu
jagen und zu fangen", klagte er, "weit schwerer als den dummen, frechen,
plumpen Herero."

Deutsche Kolonien

Die deutsche Kolonialgeschichte ist vergleichsweise kurz, aber blutig.
Erst 1884 erklärte die Reichsregierung das heutige Namibia als "Deutsch-
Südwestafrika" zum ersten deutschen "Schutzgebiet". Als weitere Kolonien
folgten Togo, Kamerun, "Deutsch-Ostafrika" (heute: Tansania, Ruanda und
Burundi), Teile Neu-Guineas, die chinesische Stadt Tsingtau sowie einige
kleinere Inseln im Pazifik. Insgesamt umfasste das deutsche Kolonialreich
eine Fläche von 2,3 Millionen Quadratkilometern mit einer Bevölkerung von
zwölf Millionen Menschen. Die deutsche Kolonialpolitik war weniger
wirtschaftlich als politisch-militärisch motiviert und basierte auf einem
aggressiven Rassismus. Die einheimische Bevölkerung wurde brutal unterdrückt
und ausgebeutet. Höhepunkt war der Krieg gegen die aufständischen Herero und
Nama in Namibia, der am 11. Januar 1904 begann und im Völkermord an 75 000
Menschen endete. Als Vergeltung für den Tod von 123 Deutschen wurden die
Stämme der Herero und Nama fast vollständig vernichtet. Als Folge des Ersten
Weltkriegs verlor das Deutsche Reich alle seine Kolonien.
Jft
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Re: Vergangenheit unseres Fachbereiches

Beitrag von Wildkuh » 17. Aug 2009, 18:38

wow, das geht weit über das hinaus, was ich bisher über Witz und deutsche Kollonialgeschichte wusste.
Ich kann mir vorstellen, dass frühere Studenten sich schon mal damit beschäftigt haben.... is davon jemandem was bekannt ??
fragt Lea
Was du nicht willst das man dir tut, das tust auch du, was willstn du !?

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Re: Vergangenheit unseres Fachbereiches

Beitrag von mati » 18. Aug 2009, 10:41

Hallo,

das war mit ein Grund warum ich als Löla-Mitglied gegen die Vereins-Verschmelzung mit dem Hochschulverband e.V. gestimmt habe... Die Abstimmung fand Ende April bei der Löla-Jahreshauptversammlung statt und fand insgesamt KEINE Zustimmung. Ich will hiermit entgegen manchen Gerüchten betonen, dass damit der Löla e.V (Verein zur Förderung des ökologischen Landbaus) KEINE  Arbeitsgruppe des Hochschulverbandes ist, sondern nach wie vor ein EIGENSTÄNDIGER gemeinnütziger, eingetragener Verein.


schöne Grüße,
Martina

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Re: Vergangenheit unseres Fachbereiches

Beitrag von Mosquito » 24. Okt 2009, 12:24

Moin.
Zu diesem Thema will ich euch ein Foto nicht vorenthalten, welches ich im Sommer gemacht habe. Zu sehen ist die Büste von Fabarius, dem Gründer der deutschen Kolonialschule Witzenhausen im Innenhof des DITSL. Das eigentlich beängstigende sind die frischen Blumen, die auf eine AKTUELLE Verehrung dieses Rassisten hinweisen. Wäre interessant, wer die hingelegt hat. Und warum!


[gelöscht durch Administrator]

Sondaling

Re: Vergangenheit unseres Fachbereiches

Beitrag von Sondaling » 24. Okt 2009, 12:36

WILLKOMMEN IN DEUTSCHLAND !!!

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Re: Vergangenheit unseres Fachbereiches

Beitrag von Palme » 24. Okt 2009, 13:25

"Witzenhausen ist seit über 100 Jahren Standort einer international ausgerichteten Agrarausbildung...." (Witzenhausen-Broschüre "Wissen liegt in unserer Natur", Seite 7, 2. Absatz)

"Da Witzenhausen seit über 100 Jahren Standort einer international ausgerichteten Agrarausbildung ist und diese weiterhin gepflegt wird,..." 
( http://kirschenland.de/sites/gensite.as ... 62&Art=096 )

Mir scheint diese Stadt im Umgang mit ihrer Vergangenheit etwas blauäugig.

Mosquito
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Re: Vergangenheit unseres Fachbereiches

Beitrag von Mosquito » 26. Okt 2009, 22:59

[quote="Palme"]


Mir scheint diese Stadt im Umgang mit ihrer Vergangenheit etwas blauäugig.
[/quote]
Ja, das geht mir auch so. Würde gerne wissen, ob bei anderen auch der Bedarf nach etwas mehr Info ist. Z.B. mal eine Abend mit DITSL-Vertretern oder so (die brüsten sich am meisten mit ihrer 100 jährigen Kontinuität)
Also, weitere Meinungen sind gefragt!

tishankri
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Re: Vergangenheit unseres Fachbereiches

Beitrag von tishankri » 26. Okt 2009, 23:03

was soll man dazu groß sagen als - warum steht das Teil noch...

langer
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Re: Vergangenheit unseres Fachbereiches

Beitrag von langer » 27. Okt 2009, 10:36

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