Do.14.11.: Vortrag: Mensch-Nutztier-Beziehungen seit dem 18. Jahrhundert

Ernstes und anderes in und um WIZ
Antworten
ahlerta
Dr. Steiner
Dr. Steiner
Beiträge: 84
Registriert: 13. Nov 2013, 17:56

Do.14.11.: Vortrag: Mensch-Nutztier-Beziehungen seit dem 18. Jahrhundert

Beitrag von ahlerta » 12. Nov 2019, 13:19

Hallo,
passend zur Ringvorlesung www.verhältnisseverstehen.de widmet sich die Ringvorlesung zur Agrargeschichte diese Woche den Mensch-Nutztier-Beziehungen aus historischer Perspektive.

Agrargeschichte weiter_denken!
Weitere Termine siehe unten.


Donnerstag 14. November:

Machen Kühe (Agrar-) Geschichte? Wandel und Vielfalt der
Mensch-Nutztier-Beziehungen seit dem 18. Jahrhundert Vortrag von Jadon
Nisly (Bamberg), Kleine Aula, Nordbahnhofstraße 1a, Witzenhausen

Wie ändert sich unsere Perspektive auf die Intensivierung der
landwirtschaftlichen Tierhaltung, wenn wir Nutztiere als soziale Akteure
wahrnehmen? Die sogenannte Agrarrevolution des 18. Jahrhunderts sieht
anders aus, wenn wir das Handeln der Tiere innerhalb der
bäuerlich-dörflichen Landwirtschaft betrachten. Auch in Folge der
Agrarreformen entstanden neue Beziehungen, zum Beispiel zwischen Bauern
und Milchkühen, die erstmalig zur Arbeit auf dem Feld eingesetzt wurden.
In der hochintensivierten Tierhaltung des 20. Jahrhunderts wurden Kühe
in den damals neuen Boxenlaufställen aufgefordert, bei der Sauberkeit
des Stalls mitzuarbeiten. Im 21. Jahrhundert sollen Kühe dann
selbständig Melkroboter aufsuchen. Der Wandel und die Vielfältigkeit der
unterschiedlichen historischen Mensch-Nutztier-Beziehungen zu betrachten
ermöglicht aber auch, über andere Formen des Zusammenlebens nach zu denken.


*Fortsetzung der Ringvorlesung in Witzenhausen***
Agrargeschichte weiter_denken

Welche Perspektiven kann Agrargeschichte für ein differenziertes
Verständnis von Landwirtschaft bieten? Zu dieser Frage laden wir erneut
Historiker*innen nach Witzenhausen ein, die sich in ihren Arbeiten
agrar-historischen Fragestellungen widmen. Agrargeschichte ermöglicht
es, gesellschaftliche Entwicklungen historisch einzuordnen und verdient
es somit, einen eigenen Platz in Lehre und Forschung hier am Standort
einzunehmen. Wir wollen dazu anregen aktuelle agrargeschichtliche
Diskurse und Forschungsansätze vor global-geschichtlichen Perspektiven,
welche grundlegender Bestandteil von Agrarwissenschaften sind, weiter zu
denken.

Mit unserer Reihe wollen wir die vielfältigen Anknüpfungspunkte der
Agrargeschichte an verschiedene Disziplinen aufzeigen: Was hat
Landwirtschaft mit der Entstehung des Kapitalismus zu tun? Welche
historischen Bezugspunkte haben völkische Siedler heute? Wie ist der
aktuelle Stand zur landwirtschaftlichen Forschung und der Zwangsarbeit
im Nationalsozialismus? Welche Perspektiven kann die Agrargeschichte für
die Mensch-Nutztier-Beziehungen beisteuern? Was kann die Geschichte der
Allemende für heutige Wege aus der Krise beisteuern?

Ziel ist die Weiterentwicklung, Neuausrichtung und langfristige
Fortführung der agrargeschichtlichen Lehre und Forschung am Fachbereich.

Eine Ringvorlesung der studentischen Initiative zum Erhalt von
Agrargeschichte in Kooperation mit den Fachgebieten Internationale
Agrarpolitik und Umweltgovernance sowie Management in der
Internationalen Ernährungswirtschaft.

Weitere Infos unter:
http://www.uni-kassel.de/fb11agrar/fach ... elles.html

Kontakt: kontakt@fsr-witzenhausen.de

weitere Termine:
—————————————————————————————————————————————————————
21. Nov 2019 18.15h kleine Aula, Witzenhausen

»Sobald das in Ravensbrück zur Aussaat gekommene Material für die
Auspflanzung groß genug ist, wird es nach Auschwitz befördert«
Querverbindungen, Gemeinsamkeiten und Unterschiede landwirtschaftlicher
Versuche der SS in den KZ Ravensbrück und Auschwitz Vortrag von Tanja
Kinzel, Kristin Witte (Berlin/Ravensbrück), Kleine Aula,
Nordbahnhofstraße 1a, Witzenhausen

Wenig ist bisher über die landwirtschaftlichen Versuchsgüter der SS in
der Umgebung des KZ Ravensbrück und im sog. Interessengebiet Auschwitz
bekannt. Die beiden Orte waren durch die 1939 gegründete „Deutsche
Versuchsanstalt für Ernährung und Verpflegung GmbH“ (DVA) miteinander
verbunden, die vielfältige Interessens- und Forschungsschwerpunkte
verfolgte. Neben Ersatzstoff-/Forschung für Autarkie und Versuchen mit
der naturnahen, biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise war die geplante
Ostexpansion mit der Sicherung von Einflusssphären ein wichtiges
Forschungsfeld. Innerhalb kürzester Zeit wurden über 30 Versuchsgüter
und Forschungsstationen aufgebaut und über 100 Landwirtschaftsbetriebe
im Generalgouvernement und der Sowjetunion (treuhänderisch) verwaltet.
Im Vortag werden die landwirtschaftlichen Arbeiten der DVA am Beispiel
der Standorte Auschwitz und Ravensbrück vorgestellt. Berichte und
Erinnerungen ehemaliger KZ-Häftlinge sind die Grundlage für eine
Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Versuchsreihen und
Lebensbedingungen und ermöglichen es, die Verzahnung der beiden
Standorte aufzuzeigen und die unterschiedlichen Formen des Sprechens in
den Erinnerungsberichten selbst zu analysieren.
Tanja Kinzel und Kristin Witte sind wissenschaftliche Mitarbeiterinnen
in dem Forschungsprojekt „Die SS-Versuchsgüter des
Frauen-Konzentrationslagers Ravensbrück und die Deutsche Versuchsanstalt
für Ernährung und Verpflegung GmbH (DVA)“ der Mahn- und Gedenkstätte
Ravensbrück.

—————————————————————————————————————————————————————
16. Jan 2020 18.15h kleine Aula

»Agrarfragen in der ›New History of Capitalism‹« Vortrag von Dr. Juri
Auderset (Bern), Kleine Aula, Nordbahnhofstraße 1a, Witzenhausen

Nachdem ein Vierteljahrhundert lang die fast allseits verkündete
Alternativlosigkeit des Kapitalismus propagiert wurde, haben Historiker
und Historikerinnen spätestens mit der Finanzkrise von 2008 den
Kapitalismus als kontroversen Forschungsgegenstand wiederentdeckt. Von
der "Reemergence of a Historical Concept" ist die Rede (Jürgen
Kocka/Marcel van der Linden), eine "New History of Capitalism" wird
eingefordert (Sven Beckert) und die Historikerzunft wird gemahnt, den
"globalen Kapitalismus" historisch zu "denken" (Friedrich Lenger). So
verdienstvoll dieser jüngste Aufbruch in der historischen
Kapitalismusforschung ist, verblüfft doch eine Leerstelle ganz
besonders: das fast gänzliche Schweigen über die Rolle der
Landwirtschaft im Prozess der industriekapitalistischen Transformation
des 19. und 20. Jahrhunderts. Dieser Vortrag setzt an dieser
vernachlässigten Stelle ein und skizziert einige Perspektiven auf die
Relevanz von Agrarfragen in der neueren historischen Kapitalismusforschung.
————————————————————————————————————

Antworten