"De/Kon/Struktion von Anderen -Vortrag: Zur Ausgrenzung und Abwertung von Menschen und Tieren" am Dienstag, 14.2.-19:00

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Mop
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"De/Kon/Struktion von Anderen -Vortrag: Zur Ausgrenzung und Abwertung von Menschen und Tieren" am Dienstag, 14.2.-19:00

Beitrag von Mop » 8. Jan 2020, 15:25

"De/Kon/Struktion von Anderen - Zur Ausgrenzung und Abwertung von Menschen und Tieren"
Öffentlicher Vortrag der Philosophin Susanne Karr - 14.01.20 - 19:00
in der Kleinen Aula - Nordbahnhofstr. 1a, Uni Witzenhausen


Das Konzept der Kolonisation braucht die Position des "Anderen", um sich zu etablieren. Es schürt die Respektlosigkeit gegenüber dem intrinsischen Wert jedes Lebewesens und schafft Angst vor Vielfalt, die "den Anderen" in jeder Hinsicht zum perfekten Ziel von Abwertung, Ausgrenzung aus Privilegien und Gewalt macht. Diese Denkweise geht von einer voreingestellten, idealen "Normalität" aus, die von ihrer Prägung eurozentrisch und hierarchisch ist und von einem Standpunkt der Dominanz des weißen Mannes aus entsteht (vgl. Aph Ko & Syl Ko, 2017).

Dieser kolonialistische Standpunkt rechtfertigt, all jenen "Anderen" Gewalt und Grausamkeit aufzuzwingen - weil sie dieser Normalität nicht genügen (können). Diese Praktiken werden in gesellschaftlichen Diskursen zunehmend sichtbar und in Frage gestellt - zumindest im menschlichen Bereich, was leider nicht bedeutet, dass sie damit endgültig erledigt wären. Die Zuweisung in ein undefiniertes Reich des "Anderen" scheint mehr und mehr den Gesellschaften nichtmenschlicher Tiere zugeordnet zu sein. Andererseits zeigt die Zunahme von AktivistInnen und akademischen Disziplinen, die Lebewesen in all ihren Formen und Farben schätzen, die Präsenz und die Wirkung dieser Diskussionen. Hierarchien kämpfen wiederum als Reaktion darum, ihre Positionen zu verteidigen, oft mit Gewalt.

Hierarchieargumentationen wenden ähnliche Strategien an, unabhängig davon, ob sie Sexismus, Rassismus oder Speziezismus unterstützen. Sie nutzen falsche Zuschreibungen, Entwertung, (bewusste) Verweigerung von Fähigkeiten.

Dieser Gedanke wirft viele Fragen auf. Hier zwei von ihnen:

1) Der Prozess der Leugnung und Geheimhaltung der Bedingungen im agroindustriellen Komplex scheint ein Terrain aufzumachen, in dem unzensiert Angriffe gegen "den Anderen" ausgelebt werden können. Wie Carol Adams betonte, kann die Entwertung von Tieren mit der Entwertung von weiblich identifizierten Menschen einhergehen. Vergleiche von nicht-weißen Menschen mit Tieren folgen ähnlichen Dynamiken.

2) Die permanent laufende Tötungsmaschinerie verursacht eine beispiellos gewalttätige Atmosphäre, die menschliche und nichtmenschliche Gesellschaften unterschwellig durchzieht. Diese kann nicht einfach in Schlachthöfen entsorgt werden - um nur einen von mehreren Orten lebensfeindlicher Alltagspraktiken zu nennen.

Aus philosophischer Sicht wird die Frage, wie man mit der Ausbeutung und Tötung von Millionen fühlender Wesen umgeht, in der Annahme eines kausalen Zusammenhangs zwischen der Gewaltbereitschaft und dem psychischen Wohlbefinden von Gesellschaften eskalieren. Als Gegenbewegung schaffen anti-speziezistische, anti-rassistische und anti-sexistische Praktiken eine Atmosphäre der Konvivialität und Geselligkeit.

Die Veranstaltung findet im Rahmen der Vorlesungsreihe “Mensch-Tier-Verhältnisse verstehen und verändern” statt.
Weitere Infos unter http://www.xn--verhltnisseverstehen-ezb.de/

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